In einem versteckten Tal, umgeben von uralten Bäumen und blühenden Chrysanthemen, lebte Mei-Lin, die letzte Wächterin einer uralten Tradition. Ihr Volk nannte sie die "Hüterin der verlorenen Zeit", denn sie bewachte das Gleichgewicht zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Maschinen. Jede Nacht, wenn der Mond am höchsten stand, begann ihr heiliges Ritual.
Mei-Lin trug ein Gewand, das mit magischen Symbolen und mechanischen Rädern bestickt war – ein Erbe ihrer Ahnen. An ihrer Seite trug sie eine Laterne, die nicht mit gewöhnlichem Feuer brannte, sondern mit dem Licht der Sterne. Diese Laterne war ein Geschenk ihrer Vorfahren und besaß die Macht, die Grenzen zwischen den Welten zu öffnen.
Die Routine der Harmonie
An diesem Abend spürte Mei-Lin eine tiefe Unruhe. Die Luft war schwer, und die Maschinen, die sonst im Einklang mit der Natur arbeiteten, begannen zu stottern und zu ächzen. Sie wusste, dass sie mehr als nur ihre übliche Routine brauchte. Heute Abend würde sie Eka Pada Rajakapotasana praktizieren – die Taubenkönig-Pose, eine Haltung, die ihr half, die verlorenen Fäden der Zeit zu berühren.
Sie kniete sich auf den moosbedeckten Boden. Langsam streckte sie ein Bein nach hinten aus und beugte das andere Knie, um ihren Fuß nah an ihre Hüfte zu ziehen. Mit jedem Atemzug sank sie tiefer in die Dehnung, während ihre Hände im Gebet vor ihrer Brust verschränkt blieben. "Diese Pose öffnet das Herz und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart", flüsterte sie.
Plötzlich spürte sie, wie die mechanischen Räder auf ihrem Gewand zu vibrieren begannen. Die Laterne flackerte, und das Sternenlicht pulsierte im Takt ihres Atems. Die Taubenkönig-Pose war nicht nur eine körperliche Übung – sie war ein Tor.
Die Störung im Tal
Die Bäume flüsterten dringlicher. Eine dunkle Energie kroch durch das Tal, und die Maschinen begannen, sich wild und unkontrolliert zu bewegen. Mei-Lin wusste, dass die gigantische mechanische Uhr in den Ruinen aus dem Gleichgewicht geraten war.
Mit der Laterne in der Hand eilte sie den versteckten Pfad entlang. Die Luft wurde kälter, je näher sie den Ruinen kam. Dort, wo die Zeit stillzustehen schien, fand sie die Uhr – ihre Räder drehten sich chaotisch, die Zeiger zeigten in alle Richtungen. Ein metallisches Kreischen erfüllte die Luft. Mei-Lin stellte die Laterne ab und ging wieder in Eka Pada Rajakapotasana. Diesmal war es anders. Sie spürte, wie die Energie der Uhr durch ihren Körper floss, als würde die Pose sie mit der maschinellen Welt verbinden. Ihr Herz schlug im Rhythmus der zerbrochenen Zeit.
"Ich atme ein – die Vergangenheit. Ich atme aus – die Zukunft. Im Hier und Jetzt finde ich die Balance."
Die Heilung der Zeit
Langsam hob Mei-Lin die Arme und ließ das Sternenlicht der Laterne über die wild rotierenden Räder der Uhr fließen. Mit jeder Bewegung ihrer Hände, die sich wie fließende Zeit anfühlten, beruhigten sich die mechanischen Teile. Die Taubenkönig-Pose half ihr, die Spannung zwischen den Welten zu halten – weder die Natur noch die Maschinen durften dominieren.
Als sie schließlich die Pose löste und die Laterne hochhob, erstarrte die Uhr. Ein letzter Funke sprang zwischen den Rädern, dann war Stille. Die Zeiger richteten sich aus, und ein sanftes Ticken erfüllte die Luft.
Die Rückkehr des Friedens
Mei-Lin öffnete die Augen. Das Tal war wieder in Harmonie. Die Bäume rauschten leise, und die Chrysanthemen blühten im Mondlicht. Sie lächelte. "Die Taubenkönig-Pose hat mir gezeigt, dass wahre Stärke im Gleichgewicht liegt – nicht im Kampf."
Denn sie wusste: Solange sie die Weisheit der Yoga-Posen in sich trug, konnte sie die verlorene Zeit immer wieder retten.
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